31 Dezember 2011

Weihnachten bei den Sch'tis

Coucou ihr Lieben,

Frohe Weihnachten nachträglich euch allen da draußen, wo auch immer ihr gerade seid! Ich schicke euch ganz viel Liebe aus Frankreich :)

Ich sitze gerade in der Küche, gucke meiner Gastschwester dabei zu, wie sie einen Schokoladenkuchen backt und schreibe euch.
Die Schokoladenkuchen die ich hier in Frankreich gegessen habe übertreffen übrigens alle, die ich jemals in Deutschland probiert habe. Um Längen.
Ich will euch sowas natürlich nicht vorenthalten und werde deshalb in den nächsten Tagen eine kleine Extraseite auf meinem Blog einrichten, indem ich Rezepte & Sonstiges "veröffentliche". Probiert es aus! ;)

Ich bin vor circa 2 Stunden zu Hause angekommen. Die letzten Tage war einfach nur das größte Durcheinander und es kommt mir vor, als wären 3 Wochen und nicht nur 1 vergangen, soviel habe ich gesehen und erlebt.
Ich versuche trotzdem, euch das ganze mehr oder minder STRUKTURIERT wiederzugeben :D

Der Posttitel verrät schon einiges: Ich habe mein Weihnachten im Norden Frankreichs verbracht, bei den "Sch'tis". Wem das auf Anhieb nichts sagt, dem könnte der Film "Willkommen bein den Sch'tis" weiterhelfen.
Ich zeig euch den Trailer auf Deutsch, auf Französisch ist es aber natürlich eigentlich viel witziger. Es geht schließlich um die Mentalität & Sprache und das kann man nicht wirklich übersetzen.

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Am 20.12 habe ich also schön alle meine Sachen zusammengepackt und am 21.12 ging es dann zusammen mit Gabrielle und Astrid in Richtung Lille. Eigentlich sollte auch Edmond schon mit uns kommen aber er ist leider in der Nacht krank geworden und ist so mit Anne und Benoît da geblieben. Die drei kamen Heiligabend nach, denn Anne & Benoît mussten noch arbeiten.
Die Zeit im Zug nach Lille betrug 5 Stunden, von denen ich die meisten verschlafen hatte. In Lille angekommen hatten wir circa eine Stunde Zeit, bis wir den nächsten Zug nehmen mussten.
Die Gelegenheit haben wir natürlich genutzt und sind auf den Weihnachtsmarkt gegangen. Dieser war absolut überfüllt aber ganz nett.
Wir sind außerdem mit einem Riesenrad gefahren, was total toll war. So hatten wir nämlich eine ganz tolle Sicht auf ganz Lille. Die Stadt an sich fand ich von oben ehrlich gesagt nicht soo schön, kann an dem grauen Nebel liegen der über den Häusern hing.




Nach einer Stunde ging es dann aber auch weiter für uns, mit dem Regionalzug nach St. Omer, eine kleine Stadt im höchsten Norden Frankreichs.
Dort wohnt die Oma, von allen "Belle Maman" genannt. Sie ist die Mutter von Anne.
Ihr Mann ist vor 3 Jahren gestorben und trotzdem lebt sie noch in dem riesigen Haus, ganz alleine. Das Haus zeigt, dass sie eine wohlhabende Familie waren. Es gibt eine recht große Eingangshalle, einen großen Salon, einen kleinen Salon, die ehemaligen Arzträume des Mannes, zwei Büroräumen und dann natürlich die "normalen" Räume.
Was ich sehr schön finde ist, dass im ganzen Haus Bilder ihres Mannes hängen. Insgesamt um die 70!! Sie hat mir 6 Kopien geschenkt, was mich wirklich gefreut hat! Die Bilder sind nämlich allesamt wirklich sehr schön, viele zeigen das Meer, Häfen oder Boote.

Am 22.12 haben wir eigentlich die ganze Zeit nur vorbereitet. Kuchen gebacken, Weihnachtsdeko verteilt und das "Grundgerüst" für die Krippe aufgebaut. Ja, die Krippe ist hier ein ganz großes Ereignis. Wörtlich gemeint. Sowas kenne ich gar nicht von meinem eigenen Zuhause. Aber ich finde, es ist eigentlich ein schöner Brauch.


Auch der 23.12 bestand aus Vorbereitung für den Heiligabend. Es wurden die zwei "traditionellen " Kuchen gebacken, die zwei, die es jedes Jahr bei der Familie zu Weihnachten gibt. Vielleicht werde ich die Rezepte auch noch auf der "Rezepteseite" veröffentlichen. Irgendwann mal.^^

Am 24.12 kamen dann Anne & Benoît an und wir fuhren alle gemeinsam nach Béthune, eine Gemeinde ebenfalls sehr im Norden Frankreichs. Dort wohnt der Großvater, Vater von Benoît. Seine Frau ist ebenfalls vor einigen Jahren gestorben, er hat aber mittlerweile eine Lebensgefährtin, die auch das ganze Weihnachtsessen vorbereitet hat. Außerdem da waren natürlich noch die anderen Onkel & Tanten der Familie.




Die Bescherung fand schon gleich am Anfang statt, denn die ganzen kleinen Kinder waren unglaublich ungeduldig und das wollten sich die Erwachsenen anscheinend nicht antun. Im Anschluss dann das Weihnachtsessen, welches aus Salat, Meeresfrüchten und Reis bestand. War jetzt nicht sooo meins, dieses Meeressen, aber okay. Außerdem gab es Foie Gras, zu deutsch "Gänseleber". Das erfahre ich übrigens erst jetzt, nachdem ich es nachgeschlagen habe. Da wird mir auch klar, wieso ich es eindeutig NICHT MOCHTE. :D Foie Gras gibt es immer zu festlichen Anlässen und es ist "chic".
Außerdem gab es Austern. Ich muss sagen, ich hatte nicht sehr große Lust, eine zu probieren.





Dazu ein kleiner Einschub. Ich fühlte mich nicht gerade sehr hingezogen zu den Austern aufgrund meiner Beobachtungen in England. Wir hatten eine einwöchige Reise mit der Klasse, 2008 (Philipp sagt es war 2008, ich bin mir irgendwie nicht sicher :D). Irgendwann hatten wir die Möglichkeit, Austern zu probieren. Ich habe mich nicht getraut, aber andere. Naja. Wer dabei war weiß, wieso ich jetzt an Weihnachten nicht große Lust drauf hatte :D.

Aber in gewisser Weise fühlte ich mich gezwungen. Nicht von der Familie aber von mir selbst. Wer bin ich denn, wenn ich ein Jahr in Frankreich verbringe, dann noch in der Bretagne und nie eine Auster probiere?!
Man nimmt sich also so eine Auster, träufelt schön mit ner' Zitrone drüber und "schabt" sie sozusagen mit einer extra Austergabel von ihrer Muschel ab. Und dann schiebt man sie sich in den Mund und kaut schön drauf rum.
Es war okay. Wer jetzt Hymnen des Ekels erwartet hat, den muss ich enttäuschen. Es schmeckt nach fast nichts, nur nach Salzwasser und es hat eine schleimige Konsistenz.

Das Desert sollte auch nicht ganz außer Acht gelassen werden, es war nämlich schon allein vom Aussehen her ziemlich ansehnlich. Es war eine Art Schichttorte: Baiser, Kokoseis, Baiser, Mangoeis, Baiser, Früchte.


Abends sind wir dann noch etwas durch Béthune geschlendert und haben uns eine Show vor dem Rathaus angeschaut, in der ein Weihnachtsmann vom Turm geklettert ist und somit in vielen kleinen Kindern die Illusion gefestigt hat, wirklich zu existieren.

Damit war mein französischer Heiligabend schon zuende. Kein Weihnachtsgottesdienst, keine Weihnachtslieder. Das hat mir dann doch etwas gefehlt.

Den 25.12 ging es dann zur Kirche! Allerdings zur katholischen Messe, nichts da mit Weihnachtsgottesdienst wie in der "Schönen Aussicht" :D. Es war ganz interessant, sowas auch mal gesehen zu haben. Außerdem sind Kathedralen ja immer schön, wie ich finde. Sie machen eine tolle Atmosphäre :).

Dieses Bild habe ich am Nachmittag des 24.12 gemacht, deshalb ist die Figur von Jesus noch nicht drauf. Sie wird erst am Morgen des 25.12 platziert.

Den Abend verbrachten wir dann bei der Großmutter, zusammen mit allen Verwandten. Es gab wieder Foie Gras und Austern, außerdem eine ganze Menge an Torten.

Geschenke bekommen habe ich auch. Zum Einen einen Föhn von den Kerbellecs, was ich wirklich nett fand :D. Ich glaube es war eine kleine Anspielung darauf, wie ich morgens immer im Bad stand und mir die Haare föhnte und sie schon fast fertig waren mit allem. Von meiner jetztigen Gastfamilie habe ich so Bilderrahmen zum aufhängen bekommen, schwer zu beschreiben. Außerdem selbstgemachte Seife und eine CD von meinen Gastcousinen, eine Kristallschale aus einer Cristallerie vor Ort von meiner Gastoma und einen grünen Plastikfrosch als Assoziation für Frankreich von meiner anderen Gastoma.
Nicht zu vergessen natürlich noch das Geschenk von der Jugend Schöne Aussicht und auch Aufmerksamkeiten von Familie & Freunden. Danke, ich habe mich über alles sehr sehr gefreut! :)

Am nächsten Tag, am 26.12, haben wir alle erstmal schön geschlafen. Bis circa 10 Uhr, wo ich dann mit Anne, Benoît und Gabrielle joggen gegangen bin. Wer mich kennt weiß, dass ich nicht soo die Läuferin bin. Genauergesagt gar nicht. Aber trotzdem sagt irgendwas in mir drin mir immer, dass ich es ja doch noch mal versuchen könnte. Und am Ende weiß ich immer ganz genau, dass ich einfach schlecht drin bin :D. Nach 20 Minuten war dann also Schicht im Schacht und es ging wieder nach Hause.
Den Rest des Tages verbrachten wir größtenteils mit der Wii und dem Spiel Just Dance 3, welches meine Gastgeschwister geschenkt bekommen hatten. Meine 13-jährige Gastschwester ist sehr sehr engagiert bei diesem Spiel, es macht also fast mehr Spaß zuzugucken als es selbst zu probieren :D. Geschlafen haben wir an diesem Abend wieder in Béthune, also bei dem Großvater.

Der 27.12 war ein wirklich voller Tag. Wir sind gleich am Morgen aufgebrochen und nach Brugge , im Nord-Westen Belgiens gefahren. Brugge ist eine schöne Stadt mit viel Geschichte. Ich werde jetzt hier nicht alles erzählen, das würde den Rahmen sprengen. Wen es interessiert, der wende sich an Wikipedia ;).
Jedenfalls habe ich mir eine Tafel Schokolade gekauft um meine Pflichten als Tourist in Belgien zu erfüllen. Sie war, muss ich sagen, nicht viel besser als was ich sonst gewohnt bin. Aber um das zu erreichen hätte ich wahrscheinlich mehr Geld ausgeben müssen.






Am 29.12 ging es morgens los, wieder zurück nach St. Omer. Dort gab es Mittagessen bei der Oma und die letzten Gepäckstücke wurden ins Auto geladen. Das nächste Ziel hieß: das Meer.
Eigentlich, muss ich ehrlich gestehen, hatte ich keine große Lust darauf, das Meer zu sehen. Es war kalt an diesem Tag, es regnete zwischendurch und war windig. Trotzdem sind wir hingefahren und ich freue mich im Nachhinein darüber. Denn so habe ich einmal das Meer in der Bretagne gesehen und auch im Norden Frankreich. Es war sehr sehr stürmisch, die Wellen schlugen weit über die Wege hinweg und Wasser spritzte einem ins Gesicht, selbst wenn man nicht nah am Meer an sich dran war. Es war so toll!



Als nächstes ging es nach _ _ _. Es tut mir leid, aber ich habe den Namen der Stadt vergessen :D. Vielleicht frag ich demnächst nochmal nach, aber ich weiß es echt nicht mehr. Auf jeden fall haben wir da kurz Halt gemacht um Freunde der Familie zu besuchen. Es gab Apfelkuchen und einen Kamin im Haus, das fand ich gut :D.
Danach machten wir Halt bei einer Kathedrale die, meinem Gastvater nach zu urteilen, die schönste Europas ist. Keine Ahnung ob das stimmt oder nicht. Ist vermutlich Ansichtssache.
Den Abend verbrachten wir dann bei wiederum anderen Freunden in Compiègne, nördlich von Paris. Dort wohnten die Batteurs früher und haben seither noch immer viele Bekannte dort.

Und am 30.12, also heute, ging es dann wieder nach Hause.
Compiègne --> Paris --> Vannes.
In Paris haben wir unser Mittagessen gekauft und der Kerl in der Boulangerie hat vergessen, mir meine Colaflasche in die Tüte zu stecken. Ich weiß bis jetzt nicht ob wir sie bezahlt haben und er sie nur vergessen hat einzupacken, oder ob er die Bestellung erst gar nicht mitbekommen hatte.
Nun ja.
Passiert.

Ich bin froh, wieder hier zu sein. Es waren wirklich schöne 9 Tage im Norden Frankreichs aber auch sehr stressig. Jetzt habe ich wieder meinen Laptop mit deutscher Tastatur und meinen Blick aus dem Fenster auf die Schule.

Morgen ist dann also Silvester, kaum zu glauben aber 2012 ist schon fast Realität. An mir rauscht alles irgendwie nur so vorbei und ich muss mich bemühen, Einzelheiten festzuhalten. Es geht einfach zu schnell.

Ich werde mit Freunden aus der Schule zusammen sein und euch natürlich auch davon berichten.

In diesem Sinne,
Guten Rutsch, bonne année 2012!

Bisous bisous,

Katharina :-*

19 Dezember 2011

Familienwechsel und bla.

Coucou meine Lieben,

ich sitze hier gerade bei meiner neuen Gastfamilie, gucke aus dem Fenster und sehe direkt auf meine Schule. Ob das jetzt gut ist, sei mal so dahingestellt.

Eine kleine Zusammenfassung der letzten Woche für euch:

Samstag, Sonntag
Das Treffen unseres Districts (1650) und des Districts 1510 in Nantes! Es war schön. Wie immer mit diesen verrückten Leuten. Ich will jetzt nicht alles lang und breit hier erzählen, das wäre zu viel. Aber wir waren zum Einen in einem Museum und haben uns sehr interessante Kunst angeguckt. Es handelte sich um  RIESENGROSSE Abbildungen von Tieren, zum Beispiel Elefanten oder Spinnen. Diese bestanden aus Holz & Metall und sonstwas. Mehrere Menschen begaben sich dann auf diesen Elefanten oder die Spinne und konnten durch viele verschiedene Vorrichtungen diese zum laufen bringen. War recht beeindruckend.


Im Anschluss waren wir auf dem Weihnachtsmarkt, was nicht wirklich sooo toll war. Das lag einfach daran, dass man sich ungefähr 1cm in 2 Stunden fortbewegte, denn es war absolut überfüllt.


Am nächsten Tag waren wir Schlittschuhlaufen, was auch recht amüsant war. Vor allen Dingen mit so so manchen Südamerikanern, die noch nie in ihrem Leben vorher auf einer Eisfläche gestanden haben.
Und somit war das Wochenende auch schon vorbei und wir fuhren alle wieder nach Hause .. :)

Letzte Schulwoche
OUAIS! Es war die letzte Schulwoche vor den Ferien. :)
Am Montag ist mir zum ersten mal aufgefallen, dass jeder hier in Frankreich 3 Namen hat. Man ist ein komischer Mensch hier, wenn man nur einen hat. (Luka, du wärst hier also vollkommen normal mit deinen interessanten Namen)

Am Dienstag hab ich dann eine compo in Littératur gehabt, was eigentlich ganz amüsant war. Von dem Kapitel, über das nämlich geschrieben wurde, habe ich ungefähr jedes 16. Wort verstanden. Also habe ich es mir circa 10 mal durchgelesen und danach irgendwas auf das Blatt geschrieben, was mir so halb plausibel vorkam. Nun ja. :D
Außerdem habe ich an diesem Tag in Latein mal wieder gemerkt, dass die Schüler an sich total wenig wissen. Die Lehrerin sagt nämlich alles vor, alle Vokabeln, alle Formen, alles! Und so "basteln" sie sich dann ihre Übersetzungen zusammen. Sie besitzen kaum Basiswissen..

Mittwoch hatten wir dann die letzte Histoire/Géo Stunde vor den Ferien und unser Lehrer hat uns Schokolade gegeben und Bilder von den USA gezeigt, die er mal gemacht hat als er noch viel jünger war. Er hat, ohne Mist, fast die ganzen Vereinigten Staaten bereist! Ziemlich beeindruckend.
Am Nachmittag waren wir mit ein paar Leute in der Stadt und haben zusammen Mittag gegessen, denn es war der letzte wirkliche Schultag von Zsofi :-( :-(

Und Donnerstag war es dann auch schon soweit, Zsofi sollte Vannes verlassen. Wir waren zusammen noch bei der Weihnachtsfeier vom CEAS und haben uns dann verabschiedet. Ich muss sagen, im ersten Moment habe ich es gar nicht so richtig verstanden. Denn in den letzten 3,5 (fast 4) Monaten hatten wir fast jeden Tag etwas zusammen gemacht. Und so kam es mir einfach nicht sehr glaubwürdig vor ..
aber nachher dann schon. Ich muss sagen, dass ich sie wirklich vermisse. Sie war immer so energievoll und ideenreich und konnte nie still sitzen :).






Der Freitag verlief nicht gerade sehr spektakulär, eigentlich war ich die ganze Zeit nur am Packen.
Denn am nächsten Tag sollte ich zu meiner neuen Gasfamilie ziehen!
Meine Gefühle waren gemischt. Einerseits hatte ich es wirklich geschafft, mich in dieser Familie zu integrieren und fühlte mich wohl. Andererseits kannte ich die andere Familie ja auch schon ein bisschen und war gespannt, wie ihr französischer Alltag wohl aussehen würde!
Wie auch immer, am Ende musste ich wechseln, ob ich wollte oder nicht.

Am Samstag war es dann soweit, ich richtete mein Zimmer ein. Welches übrigens viel kleiner ist als mein altes ist und ich kriege alles nur mit Müh und Not unter. Ich habe soviel Zeug hier, ich mache mir schon Sorgen wir ich alles später wieder nach Deutschland schaffen soll. :D



Aber viel wichtiger als mein Zimmer ist ja die Familie.
Sie besteht aus den Eltern Benoît und Anne. Die Kinder sind Lucie (23), Gabrielle (20), Etienne (17), Astrid (13) und Edmond (5). Lucie lebt allerdings in Bordeaux, dort studiert sie. Gabrielle lebt in Rennes, sie studiert ebenfalls dort. Allerdings ist sie öfters mal zwischendurch zuhause.
Etienne ist zurzeit in Paraguay, für ein Jahr. Ebenfalls mit Rotary.
Somit habe ich als "immer anwesende" Geschwister Astrid und Edmond. Der Kleine ist einfach zu süß und mit Astrid versteh ich mich auch ganz gut :).
Insgesamt ähnelt diese Familie eher meiner Familie in Deutschland als die erste. Ich weiß nicht genau wieso .. aber es kommt mir so vor. Bei den Kerbellec's schien mir alles immer sehr geplant, sehr strukturiert. Es gab pünktlich um 18.30 Abendessen.
Hier wurde mir schon gesagt, dass ich damit nicht rechnen kann :D. Und allgemein wirken sie ein wenig chaotischer. Aber SYMPATHISCH chaotisch. :D

Jaa .. aber so schrecklich viel kann ich jetzt auch nicht erzählen, dafür muss noch ein bisschen Zeit vergehen.

Am Mittwoch gehts ab in den Norden Frankreichs, Richtung Lille.



Dort werden wir Weihnachten mit der Großfamilie feiern. Anne meinte, mich vorbereiten zu müssen und sagte, dass es alles doch sehr "temperamentvoll" zugehen könnte.
Nun ja.
Ich bin ja mal gespannt, ob es an das Temperament meiner Thunsverwandtschaft drankommt.^^

Ich wünsche euch allen auf jeden fall ein wunderschönes Weihnachtsfest mit Freunden & Familie und ganz viel Liebe für eure Mitmenschen. Denn wir alle haben viel zu geben.

Bisous Bisous,

Katharina :-*




09 Dezember 2011

Theater, Tanz & Tannenbaum

Meine Lieben,
viiiiiel ist passiert. Und keine Zeit zu verlieren, denn ich habe SO viel zu tun. Was ja eigentlich gut ist, Langeweile wäre schlimmer.

Schule
Meine letzte Schulwoche war eigentlich ganz routinemäßig. Ich hatte allerdings schon zwei mal Schwimmen, was echt super ist. Ich bin auf jedenfall besser als in Badminton, was jetzt ENDLICH vorbei ist. :D Da ich ja in Deutschland schon einige Jahre im Verein geschwommen bin, komme ich hervorragend klar. Zwar habe ich ja schon einige Jahre Pause vom Schwimmen, aber irgendwo in mir drin ist es noch mein Element :-P
Mein Philosophielehrer hat uns (Cami, Zsofi und mir) jetzt angekündigt, dass die "Schonzeit" vorbei ist. Das soll soviel heißen wie: "Ich und die anderen Lehrer haben euch das erste Trimester in Ruhe gelassen, aber jetzt sollt ihr genauso büffeln wie der ganze andere Rest."

Nun ja. Wenn der Gute das will, nicht wahr.
Nein, mal ehrlich?! :D
Also, ich werde die nächsten Wochen mal sehen, was genau er jetzt erwartet. Viel kann ich nicht versprechen ...
Zsofi ist das Ganze relativ egal, sie haut ja eh in einer Woche ab. Das macht mich schon ganz traurig, wir hatten so viel Spaß zusammen. Sie war eine kleine Person mit sehr viel Energie und meine Lieblingsungarin (auch wenn ich nur eine kenne, das macht nichts.) Aber ich freue mich für sie, dass sie die nächsten 6 Monate in Paris verbirngen darf!

Und jetzt kommen wir zu meinem wirklich sehr ereignisreichen Wochenende (sagt mir Bescheid, wenn eures voller war. Das würd mich mich mal interessieren, ob's da wen gibt.)

Freitag:
- SALSA BAR! Es war sooo toll! Ich war das erste mal da, zusammen mit den Mädels. Die Schritte sind eigentlich ganz einfach zu lernen und wenn man's erstmal raus hat, macht es wirklich Spaß. Dort waren wir ungefähr 3 Stunden.




Danach wollten wir in eine kleine Bar nebenan, "incognito". Im CEAS war nämlich ein Plakat aufgehängt auf dem stand, dass der Abend so eine Art "Kulturenabend" sein sollte. Junge Menschen aus verschiedenen Ländern konnten sich dort sozusagen treffen, kennen lernen und ihre Erfahrungen über Frankreich austauschen.
Leider waren wir dann doch ein bisschen zu jung. Also Zsofi und ich. Und so oft wir auch noch beteuerten, kein Alkohol in der Bar trinken zu würden, wir wurden nicht reingelassen.
Aber davon lassen sich Austauschschüler nicht den Abend verderben! Wir sind also an den Hafen, unseren üblichen Treffpunkt und hatten auch so Spaß. Bis uns langsam kalt wurde, wir zu Zsofi nach Hause gingen und müde ins Bett fielen.

Samstag:
Der nächste Tag ging früh weiter, Müdigkeit hin oder her. Erstmal gab es Organisationsschwierigkeiten, denn wir brauchten eine Möglichkeit, nach Auray zu kommen. Auray ist eine kleine Nachbarstadt und wir wollten dort zusammen mit anderen Rotary Jugendlichen Autos für den guten Zweck waschen. Genauergesagt für den "Téléthon". Der Téléthon findet nationalweit statt. Verschiedene Freiwillige tun sich zusammen und sammeln auf verschiedene Weisen Geld. Dieses kommt der Forschung gegen eine Muskelkrankheit (deren genauen Namen ich leider vergessen habe) zugute.
Im Endeffekt nahmen wir den Zug, was uns nur 2 Euro kostete. Recht günstig hier in Frankreich, ich glaube in Deutschland wäre das ne' ganze Ecke teurer gewesen.



Für den Abend stand das nächste Ziel schon seit längerem fest: Ein Hip Hop Battle in St. Avé. Ich glaube ich habe in früheren Posts schon von Fatima berichtet, dem italienisch/afrikanischen Mädchen das ich beim CEAS, meiner Französischschule, kennengelernt habe.
Es war einfach unglaublich, wirklich.
Ich kam mir vor wie in Step Up oder sonstwas für einem Tanzfilm.
Die Halle war nicht sehr groß, eigentlich sogar recht klein. Es waren ca. 60 Zuschauer und 20 Tänzer da. Die jüngsten Tänzer waren vielleicht 4 Jahre alt (das war so süüüüüß!) und die Ältesten .. keine Ahnung. Ich bin nicht gut darin, das Alter von Menschen zu schätzen.

Jedenfalls war das Ganze eben ein Battle, Duos oder ganze Gruppen traten gegeneinander an. Es ist schon enorm, was diese Menschen so an Bewegungen drauf haben. Und auch wie sie sich während dem Battle verhalten, als wären sie in einer ganz anderen Welt. Sie betrachen die andere Gruppe mit verachtenden Blicken und provozierenden Moves und wenn das Ganze vorbei ist umarmen sie sich herzlich.
Es war toll, dass gesehen zu haben! Das hätte ich wirklich um nichts in der Welt verpassen wollen und wenn es sich nochmal in der Form wiederholt, will ich unbedingt dabei sein.



In dem Video könnt ihr den Battle von Fatima sehen. Fatima ist das Mädchen mit dem grünen TShirt :D
Die trei Typen die im Hintergrund auf den Stühlen sitzen bilden übrigens die Jury. 



Am Abend kam ich gegen Mitternacht nach Hause, aber am nächsten Tag sollte es gleich weitergehen.

Sonntag:
Besuch bei meiner dritten Gastfamilie. Sie hatten mit und Camila eingeladen, um den Tannenbaum vorzubereiten. Das Mittagessen hat aber erstmal 2,5 Stunden gedauert, wie das nun mal so ist hier. Wenn man geschätzte tausend Gänge hat läufts' ja auch zwangsläufig darauf hinaus. :D
Der Weihnachtsbaum war ganz okay, aber der, wie wir ihn immer zuhause haben, ist um LÄNGEN besser. Erstens ist der zuhause echt, was ja schon mal die halbe Miete ist. Und zweitens haben wir nicht so langweilige Kugeln, schöneres Lametta und eine schönere "Krone".
Aber okay. Ich will mich ja nicht beschweren. :-P


Theater
Wer mich kennt weiß, dass ich für Sachen wie Theater oder ähnliches eigentlich gut zu begeistern bin. Auch Events wie Poetry Slams und Zirkus finde ich toll, Tanz Battles (wie schon erwähnt:)) und allgemein Dinge, wo Menschen ihre außergewöhnlichen Talente dazu nutzen, anderen den Atem zu rauben.
Auf mich wirkt es jedesmal wie eine eigene kleine Welt, als würden diese Menschen nur dort existieren. Sie scheinen in dem Moment nicht wie "normale" Leute, sondern so, als hätten sie ihre wirkliche "Bestimmung" gefunden und würden diese nun richtig ausleben.
Ich mag diese Scheinwelt. Sie ist so perfekt.

Jedenfalls war ich gestern Abend im Theater, im "Palais des Arts", hier in Vannes.
Es ist ein riesiges Gebäude mit vielen Sälen. Es ist ein wirklich schönes Gebäude, auch wenn ich sagen muss, dass das Landestheater in Detmold mehr Charme hat!
Im Vorfeld habe ich sogar ein bisschen was von den Kulissen gesehen, es gab eine kleine Führung für den Rotary Club, da der Präsident den Direktor kennt (oder so ähnlich :-P)

Das Theaterstück hieß DONKA, obwohl man wohl eher "Theaterstückchen" sagen sollte. Es bestand nämlich aus vielen kleinen einzelnen Sketchen, obwohl das hier nicht wirklich das richtige Wort ist. Sketche stelle ich mir immer lustig vor, die kleinen Stücke waren aber teilweise auch traurig.

Die ganzen Stücke wurden geschrieben von Anton Tschechow, einem Russe, der aber lange in Italien lebte. Daher war auch das Stück teilweise auf Italienisch, größtenteils aber auf Französisch.

Es war magisch. Nicht unbedingt die Geschichte, die durch Tanz, Akrobatik oder Gesang rübergebracht werden sollte, als vielmehr die Darstellung.
Es wurde viel mit Licht und Schatten gearbeitet, mit Eis, Wasser, Rosenblättern.
Es gab verschiedene "Schichten" von Vorhängen, teilweise halb durchsichtig oder mit interessanten Texturen. Die Musik war mitreißend, das Timing war jedesmal perfekt.

Wenn ihr das jetzt lest, hört es sich wahrscheinlich irgendwie doof an. Und vermutlich kann man es sich auch nicht wirklich vorstellen. Aber ich weiß einfach nicht, wie ich es beschreiben soll.
Fotos zu machen war verboten, aber es hätte eh nichts gebracht. Weil ich niemals die Atmosphäre hätte einfangen können, hätte ich auch noch so eine gute Kamera.

Manchmal sind gewisse Dinge so schön, dass sie einen ein bisschen traurig machen. Einfach aus dem Grund weil man weiß, dass sie einen nur kurz verzaubern. Und danach hat man nur die Erinnerung.
Ich bewundere Menschen, die einem dieses Gefühl bereiten können.


Ihr seht also, ich habe außerordentlich viel zu tun. Meine Schulwoche ist seit einer knappen Stunde beendet und heute Abend gehts mit den Mädels wieder Salsa tanzen.
Morgen und übermorgen treffen wir uns mit allen Austauschschülern in Nantes, worauf ich mich schon unglaublich drauf freue. Es ist wie eine große, internationale Familie :)

Also, meine Lieben. Ich wünsche euch ganz viel Schnee, Plätzchen und Weihnachtsstimmung (=was ich alles nicht habe)!

Bisous Bisous,


Katharina :-*